Mein Geist ist mit vergangenen Gedanken beschäftigt.

1. 1Dieser Gedanke ist natürlich
der Grund dafür, weshalb du nur die Vergangenheit siehst. 2Niemand
sieht wirklich irgendetwas. 3Er sieht nur seine nach außen
projizierten Gedanken. 4Die Beschäftigung des Geistes mit der
Vergangenheit ist die Ursache für die falsche Auffassung von der Zeit, an der
dein Sehen krankt. 5Dein Geist kann die Gegenwart – die einzige
Zeit, die es gibt – nicht erfassen. 6Er kann deshalb die Zeit nicht
verstehen und kann tatsächlich gar nichts verstehen.

2. 1Der einzige gänzlich wahre
Gedanke, den man in Bezug auf die Vergangenheit haben kann, ist, dass sie nicht
da ist. 2Überhaupt über sie nachzudenken ist daher ein Nachdenken
über Illusionen. 3Sehr wenige haben erfasst, was es eigentlich
bedeutet, sich die Vergangenheit bildhaft vorzustellen oder die Zukunft
vorwegzunehmen. 4Der Geist ist tatsächlich leer, wenn er das tut,
weil er nicht wirklich über etwas nachdenkt.

3. 1Der Sinn und Zweck der
heutigen Übungen ist, langsam deinen Geist zu schulen, damit er merkt, wann er
gar nicht wirklich denkt. 2Solange dein Geist mit gedankenlosen
Ideen beschäftigt ist, wird die Wahrheit blockiert. 3Erfassen, dass
dein Geist bloß leer war, statt zu glauben, er sei von wirklichen Ideen
erfüllt, ist der erste Schritt dazu, der Schau den Weg zu öffnen.

4. 1Die heutigen Übungen sollten
mit geschlossenen Augen durchgeführt werden. 2Das deshalb, weil du
tatsächlich nichts sehen kannst und es so leichter zu begreifen ist, dass du
nichts siehst, wie lebhaft du dir einen Gedanken auch bildhaft vorstellen
magst. 3Erforsche deinen Geist so unbeteiligt wie möglich etwa die
übliche Minute lang und nimm die Gedanken, die du dort findest, lediglich zur
Kenntnis. 4Benenne jeden nach der Hauptperson oder dem Hauptthema,
die darin vorkommen, und geh dann zum nächsten über. 5Leite die
Übungszeit ein, indem du sagst:

6Ich scheine gerade über _______ nachzudenken.

5. 1Nenne dann jeden deiner
Gedanken konkret, zum Beispiel:

2Ich scheine gerade über [benenne eine Person], über [benenne einen Gegenstand],
über [benenne ein Gefühl] nachzudenken

und so weiter, und beschließe die
Erforschung deines Geistes mit den Worten:

3Aber mein Geist ist mit vergangenen Gedanken beschäftigt.

6. 1Das kann vier‑ oder
fünfmal am Tag durchgeführt werden, außer du stellst fest, dass du gereizt
wirst. 2Wenn du es anstrengend findest, reichen drei‑ oder
viermal aus. 3Vielleicht findest du es jedoch ganz hilfreich, deine
Gereiztheit oder jegliches Gefühl, das der heutige Gedanke auslösen mag, in die
Geisteserforschung selbst mit einzubeziehen.